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Ausstellung: Fließende Räume. Karten des Donauraums 1650-1800

Veröffentlicht am 06.06.2017

Fließende Räume. Karten des Donauraums 1650-1800

Das Generallandesarchiv Karlsruhe und das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen, präsentieren vom 5. Juli bis 27. Oktober 2017 die Ausstellung Fließende Räume. Karten des Donauraums 1650-1800. Die Schau zeigt vielfach erstmals ausgestellte Karten des Generallandesarchivs aus der Zeit der Türkenkriege und der habsburgischen Eroberung Südosteuropas, vor allem aus der Zeit des 'Türkenlouis', des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden. Die Ausstellung lädt dazu ein, ein Stück „unbekanntes Europa“ zu entdecken. Denn Südosteuropa war nicht nur militärisch umkämpft, es wurde seit dem 18. Jahrhundert für viele Auswanderer aus Südwestdeutschland zu einer neuen Heimat. Landkarten schufen dabei durch ihre Bildwelten einen gemeinsamen europäischen Erfahrungsraum.



5.7. - 27.10.2017
Generallandesarchiv Karlsruhe, Nördliche Hildapromenade 3, 76133 Karlsruhe


Fließende Räume. Karten des Donauraums 1650-1800
Mit der „schönen blauen Donau“ verbinden wir spätestens seit dem Walzer von Johann Strauß eine europäische Landschaft, deren Zentren Wien und Budapest zugleich Mittelpunkte des Habsburgerreichs bildeten. Das war nicht immer so: Erst in den militärischen Auseinandersetzungen mit den Osmanen wurden im 18. Jahrhundert weite Teile Südosteuropas für den Kaiser erobert. Als ‚Türkenlouis‘ erwarb sich Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, Oberbefehlshaber der Truppen, militärischen Ruhm.
Doch erst die Werke von Kartografen brachten die unbekannten Landschaften ins Bild und erschufen so neue Regionen. Die Donau war das verbindende Element, das die im Zug der Türkenkriege erworbenen Gegenden zu einem einheitlichen europäischen Raum verknüpfte: vom Ursprung des Flusses bei Donaueschingen bis zur Mündung in das Schwarze Meer.
In subtiler Weise legitimierten die neu geschaffenen Donaukarten herrschaftliche Ansprüche und kulturelle Abhängigkeiten. Das Feindbild des „heidnischen und barbarischen Türken“ fand auch auf diesem Weg schnelle Verbreitung. Es war nicht zuletzt die „Macht der Kartografen“, die den Donauraum erfand.
Die Ausstellung zeigt anhand von 70 wertvollen, oft erstmals ausgestellten Stücken die Entwicklung der Kartografie des Donauraums von 1650 bis 1800. Grundlage der Präsentation bildet die umfangreiche Sammlung von Karten und Plänen, die von den badischen Markgrafen zu militärischen Zwecken angelegt worden war. Stücke aus der Sammlung des Tübinger Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde und privater Leihgeber aus dem In- und Ausland bereichern diese einmalige Schau.
Nach der Eröffnung in Karlsruhe macht die Präsentation als internationale Wanderausstellung Halt in zahlreichen Städten des Donauraums in Österreich, Ungarn, Rumänien, Serbien und Kroatien. Sie lädt ein zu einer Reise in ein vielfach „unbekanntes“ Europa und stellt die Frage, was wir in der Gegenwart als Europa begreifen und mit welchen Bildern wir einzelne Regionen in diesem „gemeinsamen Haus“ verbinden.


Ergänzend zur Ausstellung finden vier Begleitveranstaltungen statt:

Freitag, 14. Juli 2017, 16 Uhr
Die Türkenkriege des 18. Jahrhunderts und der deutsche Südwesten: Räume – Akteure – Mythen

Josef Wolf M.A., Tübingen
Raumwissen und Kartografie, 1650–1800

Prof. Dr. Márta Fata, Tübingen
Karl Alexander von Württemberg. „Türkenkämpfer“ und Statthalter Serbiens

Dr. Martin Stingl, Karlsruhe
Die Instrumentalisierung des ‚Türkenlouis‘ in der NS-Zeit


Donnerstag, 21. September 2017, 18 Uhr
Dr. Olivia Spiridon, Tübingen
Brückenarmer Fluss. Literarische Überquerungen entlang der Donau


Dienstag, 10. Oktober 2017, 18 Uhr
Dr. Robert Born, Leipzig
Zwischen Furcht und Faszination. Ostmitteleuropa und der osmanische Orient in der Frühen Neuzeit


Dienstag, 24. Oktober 2017, 18 Uhr
Prof. Dr. Wolfgang Zimmermann, Karlsruhe
‚Türkenfurcht‘ am Oberrhein. Die Wandlung eines Feindbildes zwischen Mittelalter und Neuzeit


Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei. Vor den Veranstaltungen findet jeweils um 17 Uhr (am 14. Juli um 15 Uhr) eine öffentliche Kuratorenführung durch die Ausstellung statt.


Zur Ausstellung erscheinen zwei Begleitpublikationen:

„Fließende Räume. Karten des Donauraums, 1650–1800“, Ausstellungskatalog (Verlag Schnell & Steiner) und „Die späten Türkenkriege. Wahrnehmen – Wissen – Erinnern“, Aufsatzband (Verlag Schnell & Steiner).


Öffnungszeiten:

Di – Do 8.30 – 17.30 Uhr
Fr 8.30 – 19 Uhr
So 13 – 17.30 Uhr
Mo und Sa geschlossen
Eintritt frei
Führungen nach Vereinbarung