Die Neuordnung Südosteuropas nach dem Ersten Weltkrieg. Pläne, Umsetzung, Folgen

Veröffentlicht am 19.06.2019

Die Neuordnung Südosteuropas nach dem Ersten Weltkrieg. Pläne, Umsetzung, Folgen

Belgrad, 31.10.-2.11.2019

Ein Kooperationsprojekt des Instituts für neuere Geschichte Serbiens, des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde und der Kommission für Geschichte und Kultur der Deutschen in Südosteuropa

 

Der Erste Weltkrieg markiert das Ende des langen 19. Jahrhunderts und steht zugleich am Anfang des kurzen 20. Jahrhunderts. Er stellt insofern eine tiefgreifende Zäsur dar – für die globale Geschichte, für die europäische Geschichte und auch für die Geschichte Südosteuropas. Der Krieg war sowohl eine zerstörerische, apokalyptische Erfahrung mit traumatischen Folgewirkungen, als auch ein radikaler Einschnitt mit der Chance des Neuanfangs im Sinne eines „reinigenden Infernos“.

Als Ergebnis des Ersten Weltkriegs ist die Raumordnung Südosteuropas grundlegend und nachhaltig verändert worden. Mit dem Verschwinden der drei Imperien – Habsburgermonarchie, Russisches Zarenreich und Osmanisches Reich –, die die Entwicklung in diesem Teil Europas lange bestimmt hatten, veränderte sich die politische Landkarte der Region maßgeblich und nachhaltig. Staaten, wie Ungarn, wurden territorial deutlich verkleinert, andere, wie Rumänien, vergrößerten ihr Territorium beträchtlich und neue Staaten entstanden, wie das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Damit verbunden waren grundlegende innenpolitische und außenpolitische Veränderungen, mit denen sich die Nationalstaaten der Region konfrontiert sahen. Darauf haben die Staaten Südosteuropas Antworten gefunden, die sowohl Gemeinsamkeiten als auch landesspezifische Charakteristika aufweisen.

An diesem Punkt setzt die Tagung an. Fokussiert auf Großrumänien, das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen sowie Ungarn fragt sie nach den Folgen der neuen und zugleich fragilen Nachkriegsordnung in der Region, heruntergebrochen auf die Ebene der drei Staaten. Im Mittelpunkt stehen die spezifischen nationalstaatlichen Entwicklungen vom Abschluss der Pariser Friedensverträge bis zum Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Dabei hat die Tagung sowohl den Bereich der Innenpolitik (u. a. Demobilisierung, Parteienlandschaft, Verfassung, Integration aller Territorien in den Nationalstaat, Bodenreform, Minderheitenfrage) als auch jenen der Außenpolitik (u. a. Klärung der Grenzfragen, Verhältnis zu den Nachbarstaaten, Bündnispartner) im Blick. Ziel ist eine vergleichende Betrachtung des Umgangs mit den Nachkriegsumwälzungen in den drei Nachbarstaaten, die sich auch deshalb als Konkurrenten verstanden.

 

Do., 31.10.2019

17:00 Uhr
Eröffnung der Tagung
Mathias Beer (Tübingen), Zoran Janjetović (Belgrad), Reinhard Johler (Tübingen)

Eröffnungsvortrag
Wolfgang Höpken (Leipzig): Südosteuropa nach dem Ersten Weltkrieg. Zeit der Ambivalenzen?


Fr., 1.11.2019

09:00-11:00
Die Pariser Nachkriegsordnung für Südosteuropa  
Moderation: Zoran Janjetović (Belgrad)

Ivan Bertényi (Budapest)
Der Vertrag von Trianon 1920 und seine Folgen für Ungarn

Claudiu Topor (Iaşi)
Rumänien nach 1919 als Ergebnis der Pariser Friedensverträge

Mile Bjelajac (Belgrad)
Scientific or Political Revision of the History of the Versailles System


11:00-11:30
Pause

 

11:30-13:30
Reformen und Stagnation
Moderation: Harald Heppner (Graz)

Jelena Rafailović (Belgrad)
Economic Heritage of the Habsburg Monarchy in Yugoslavia

Iosif Marin Balog (Cluj-Napoca)
The Economic Consequences Peace Treaties from 1919-1921 for Romania

Gergely Romsics (Budapest)
Regimeideologie, Sozialpolitik und Wirtschaftspläne während der Bethlenschen Konsolidierungsjahre (1921-1931)

 

13:30-14:30
Mittagspause

 

14:30-16:30
Mehrheit und Minderheit
Moderation: Reinhard Johler (Tübingen)

Zoran Janjetović (Belgrad)
Alte und neue Minderheiten im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen

Flavius Solomon (Iaşi)
Minderheiten und Loyalitäten im neu entstehenden „Großrumänien”

Ferenc Eiler (Budapest)
Die Minderheitenpolitik im Nach-Trianon Ungarn

17:00-18:30
Mitgliederversammlung der KGKDS


Sa., 2.11.2019

09:00-11:00
Freunde und Feinde
Moderation: Norbert Spannenberger (Leipzig)

Srđan Mićić (Belgrad)
Yugoslav policy toward Hungary and Romania 1924-1933

Zsolt Vitári (Pécs)
Außenpolitik und Ausbruch aus der Isolierung des neuen Ungarn

Hans-Christian Maner (Mainz)
Im Zeichen von Absicherung und Status Quo. Rumäniens Außenpolitik nach 1918

 

11:00-11:30
Pause

 

11:30-13:00
Abschlussdiskussion    

Moderation: Mathias Beer (Tübingen)
    
Dietmar Neutatz (Freiburg)
Schlusskommentar