Literaturwissenschaft/Sprachwissenschaft

Im Fokus des Forschungsbereichs stehen deutschsprachige literarische und angrenzende kulturelle Texte (Zeitungen, Zeitschriften, Kalender, Werbungen) als Medien der Selbstauslegung und Beschreibung kleinerer und größerer Ordnungen in Südosteuropa. Sie machen Grenzüberschreitungen und Interferenzen innerhalb dieser multikulturellen Räume und auch zum deutschen Sprachraum sichtbar.

Mit der zunehmenden Wandlung der deutschen Minderheitenliteratur aus Rumänien in eine Migrantenliteratur richtet sich der Blick auch auf Umstellungen des thematischen und poetischen Instrumentariums nach der „Ankunft“ in der deutschen Literaturlandschaft. Es interessieren – auch im Vergleich zu den Vertretern der Migrationsliteratur, die zusätzlich eine sprachliche Hürde nehmen mussten – die Herausbildung einer Poetik der Orts- und Heimatlosigkeit, die Darstellung von Räumen des Kontakts und Transfers, von grenzüberschreitender Kommunikation, Differenz und Konflikten. Von Interesse ist zudem die Entwicklung der in Rumänien verbliebenen Vertreter dieser deutschsprachigen Literatur, wie der thematische Haushalt, die sich wandelnden Netzwerke und die Veröffentlichungspraxis. Untersuchungen zur deutschen Literatur aus Rumänien rücken generell Zusammenhänge zwischen Kulturpolitik, staatlich initiierten Überwachungsmechanismen und literarischer Produktion in den Mittelpunkt.

Mit der thematischen Schwerpunktsetzung auf die Donau wird nach der Rolle des Stromes in der Selbstverortung von Gesellschaften gefragt, so wie sie in Literatur und Film ausgehandelt wird. Mehrere Projekte haben in diesem thematischen Rahmen stattgefunden: „An der Donau. Ein europäisches Literaturprojekt“ (gefördert von der BW Stiftung), die Kongresssektion „Migranten, Schmuggler, Grenzer und Grenzbewohner. Eine Donau 'von unten'“ in Budapest (in Kooperation mit dem Institut für Germanistik der ELTE) sowie die Tagung „Donaugrenzen in Literatur und Film“ in Tübingen, deren Ergebnis in Form eines Sammelbandes demnächst erscheint.

In der Lehre am Deutschen Seminar der Universität Tübingen wurden u.a. Themen wie die deutschsprachige literarische Produktion aus Südosteuropa, der Erste Weltkrieg in den südosteuropäischen Literaturen, die zeitgenössische deutschsprachige Migrantenliteratur sowie literarische Reflexionen von Donaulandschaften aufgegriffen.
Mit dem Bereich Sprachwissenschaft sind Koordinierungs- und Betreuungsaufgaben verbunden, die neben den laufenden Projekten des Forschungsbereichs Literaturwissenschaft wahrgenommen werden.

Neuerscheinung:

Edit Király/Olivia Spiridon (Hg.): Reka. Jedna drugačija dunavska antologija
[Der Fluss. Eine Donau-Anthologie der anderen Art]

Die Anthologie Reka ist eine serbische Übersetzung - in erweiterter Form – von Der Fluss. Eine Donau-Anthologie der anderen Art, erschienen 2018 in Salzburg im Verlag Jung und Jung. Nun ist das Buch in Novi Sad im Verlag Futura Publikacije. Edicija Nojzac erschienen.

Beide Anthologien sind im Rahmen von Projekten entstanden, die von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert werden.

Statt der Linearität des Stroms zu folgen, wird in dieser Donau-Anthologie eine dialogische und multiperspektivische Struktur angestrebt. Die literarische Erkundungsreise ist thematisch sortiert: In 24 Kapiteln werden Städte, Brücken,Insel- und Schluchtenlandschaften präsentiert, Themen wie Krieg, Niederlagen, Straflager, Flucht und Verfolgung durch Gegenüberstellung klassischer, aber auch weniger bekannter Texte behandelt. Die Kapitel sind mit kulturhistorischen Einleitungen versehen, die zu einer Reise durch Jahrhunderte und Kulturen einladen.

Besprechung von Der Fluss in der Wiener Zeitung:
https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/literatur/1007531-Aus-dem-Textfluss-gefischt.html

 

Außerdem NEU:

Fluss – Stationen

In mehreren kurzen Videos werden Themen präsentiert, die kulturgeschichtliche Einblicke in die Art und Weise geben, wie Mensch und Fluss in Wechselwirkung zueinander treten. Den Leitfaden gibt dabei die Donau-Anthologie "Der Fluss", hg. v. Edit Király und Olivia Spiridon.

Folgen Sie uns auf der Projektseite:
www.danubylon.net

Laufende Forschungsprojekte

Die Donau lesen. (Trans-)Nationale Narrative im 20. und 21. Jahrhundert

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Begegnungen an der Donau. Menschen – Filme – Literaturen

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Die Donau und ihre Grenzen

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Literarische Kommunikation in der deutschen Minderheitenliteratur aus Rumänien.
Das Fallbeispiel Joachim Wittstock

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Identitätsentwürfe der Deutschen aus dem Süden der Habsburgermonarchie in Zeitungen, Kalendern und literarischen Zeugnissen ab 1890 bis Ende des Ersten Weltkriegs

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Vortragsreihe: Das Ende des Ersten Weltkriegs und seine Folgen. Die Neuordnung im Donauraum nach 1918

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Abgeschlossene Forschungsprojekte

An der Donau. Ein europäisches Literaturprojekt

Literatur und Migration - Spielarten der Ankunft. Die deutsche Literatur aus Rumänien nach der Übersiedlung in die Bundesrepublik

Sektion am 5. MGV-Kongress: Region(en) von Mitteleuropa - Historische, kulturelle, sprachliche und literarische Vermittlungen
Migranten, Schmuggler, Grenzen und Grenzbewohner. Eine Donau "von unten"

Leiterin des Forschungsbereichs

Dr. Olivia Spiridon