Neuerscheinung: Germanii din România. Migraţie şi patrimoniu cultural după 1945

Veröffentlicht am 22 Jun 2020

Beer, Mathias/Radu, Sorin/Kührer-Wielach, Florian:  Germanii din România. Migraţie şi patrimoniu cultural după 1945. Bukarest 2019.

ISBN 978-973-27-3142-0

1930 betrug der Anteil der deutschen Minderheiten an der Bevölkerung Rumäniens 4,1 Prozent. Das entspricht ca. 745.000 Personen. 2011 registrierte das Statistische Amt Rumäniens nur noch rund 36.000 Personen, die sich zu den deutschsprachigen Minderheiten bekannten. Das entsprach einem Anteil von nur noch 0,18 Prozent der Bevölkerung Rumäniens – mit weiter fallender Tendenz. Dieser drastische Rückgang vollzog sich in zwei Phasen: Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs halbierte er sich nahezu als Folge von Krieg und Zwangsmigrationen; und in den folgenden Jahrzehnten der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart verschwanden die deutschen Minderheiten als Ergebnis einer mehrere Etappen umfassenden Kettenmigration fast vollständig. Heute lebt der überwiegende Teil der ehemaligen deutschen Minderheiten Rumäniens in der Bundesrepublik Deutschland.
Als Ergebnis des Migrationsprozesses ist die Geschichte der deutschen Minderheiten heute einerseits eine räumlich geteilte Geschichte und andererseits in Form ihres materiellen und immateriellen kulturellen Erbes zugleich eine die Geschichte der in Rumänien verbliebenen sowie die der ausgewanderten Angehörigen der deutschen Minderheiten und damit Rumänien und die Bundesrepublik verbindet. Dabei kommt ihm sowohl in Rumänien als auch in der Bundesrepublik eine identitätsstiftende Funktion zu. Für die verbliebenen keinen Gruppen deutscher Minderheiten ist das kulturelle Erbe ein Faktor, um sich im multinationalen Umfeld Rumäniens zu behaupten. Für die Ausgewanderten ist es ein Traditionsanker, dem zugleich die Funktion einer Integrationsagentur bei der Aufnahme in der Bundesrepublik zukommt. Von der rumänischen Bevölkerung wiederum werden Teile des kulturellen Erbes der „verschwundenen“ Deutschen übernommen. Von Seiten des rumänischen Staates wird das kulturelle Erbe der deutschen Minderheiten als Mosaikstein der Geschichte des Landes gesehen, für die Bundesrepublik ist es Ausdruck ihrer Verantwortung für die Träger deutscher Geschichte und Kultur in und außerhalb der heutigen Staatsgrenzen.
Der Band vereinigt Fallstudien, die das komplexe Verhältnis von Migration und kulturellem Erbe am Beispiel von aus Rumänien weitgehend verschwundenen deutschen Minderheiten und dessen Auswirkungen für die rumänische Gesellschaft und die Migranten aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

 

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