Wissenschaftliche Tagung "Das ungarische Einwanderungsgesetz von 1722/23 im Kontext seiner Zeit und seiner Rezeption

Veröffentlicht am 13 Jun 2022

Anlässlich der Verabschiedung der Einwanderungs- und Ansiedlungsgesetze durch den ungarischen Landtag von 1722/23 veranstaltet das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen eine Tagung mit Festakt. Der vor 300 Jahren in Preßburg einberufene Landtag gilt als Wendepunkt in der frühneuzeitlichen Geschichte des Königreichs Ungarn. Die ungarischen Stände verabschiedeten das Gesetz über die weibliche Nachfolge der Habsburger, das die Thronfolge der Herrscher aus dem Hause Habsburg in Ungarn bis 1918 garantierte. Andere Gesetze zielten auf die Reorganisation der Verwaltung des Landes und der Rechtspflege ab, weitere leiteten grundlegende Wirtschaftsreformen ein. Teil der wirtschaftlichen Modernisierung waren die Artikel über die Besiedlung der unterbevölkerten Ländereien des Adels und der ungarischen Hofkammer mit Arbeitskräften aus dem In- und Ausland.

Die Siedlungswanderung aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, die bereits nach dem Großen Türkenkrieg (1683-1699) einsetzte, war gesetzlich nicht geregelt. Der Landtag von 1722/23 lieferte die fehlende Rechtsgrundlage für die Einwanderung, die von den habsburgischen Herrschern und den ungarischen Grundbesitzern mehr als hundert Jahre lang erfolgreich betrieben wurde.

Die Vorträge der Tagung geben einen Einblick in einige der zeitgenössischen rechtlichen Regelungen in Europa und die Rezeption des Gesetzes bzw. der Immigration in Ungarn.